Studienfahrt Rom
17. – 19. Januar 2020


 Öffentliche Verkehrsmittel in Rom? Kein Problem - wenn man flexibel ist und Zeit hat!

Jedenfalls lief es erst einmal reibungslos an – mit dem Bus vom Flughafen in die Innenstadt. Und preiswert noch dazu. In ca. 45 min waren Ingrid, Sylvia und ich durch den römischen Verkehr durch – der nicht ganz so chaotisch war, wie erwartet. Denn die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel ist eigentlich nichts für Leute mit Terminen. Die elektronische Ankunftsanzeige an den Haltestellen bewegt sich oft gar nicht und springt auch gerne einfach wieder zurück. Ist der Bus dann mal da, geht es in rasanter Fahrt über das Kopfsteinpflaster. Es rumpelt an allen Ecken und Enden. Busfahren in Rom ist abenteuerlich! Aber ich will dort trotzdem nicht Autofahren müssen.

Am Hauptbahnhof stand dann schon Robert Schmitt, unser Romführer für die nächsten Tage. Wie schön, dass wir jemanden hatten, der sich super in Rom auskennt und alles für uns gemanagt hat!

Zu Fuß zu den nahegelegenen Unterkünften, zwischendurch die Fahrkarten für den öffentlichen Nahverkehr für die nächsten Tage gekauft und schon erste Erläuterungen, was auf uns zukommt. Herrlich! Rom verschluckte uns sofort.

Coronabedingt mussten wir an allen belebten öffentlichen Plätzen, in Geschäften und natürlich auch am Flughafen und in Bahnhöfen eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Also alles wie zu Hause.

Da nicht so viele Touristen unterwegs waren, mussten auch die Unterkünfte umdisponieren, sodass wir leider nicht in einem Gebäude untergebracht waren, sondern in zwei verschiedenen. Aber auch das war kein Problem, weil sie nahe beieinander lagen.
Und ab gings – einchecken, Gepäck abstellen, frisch machen, den ersten italienischen Cafè nehmen und abtauchen in diese wunderschöne Stadt.

Tag 1 in Rom – Streifzug, Kirchen und endlich Aperitivo und Pasta

Ich sags gleich vorneweg: Unmöglich sich alles zu merken, was wir gehört haben. Robert kennt sich so gut aus und wusste so viel zur Geschichte der Straßen, Gassen,  Gebäude und den Menschen der römischen Zeitgeschichte zu erzählen. Ich konnte mir nicht mal die Namen der vielen Kirchen merken.

Mit Bus und per pedes gings durch die nähere Umgebung. Robert wollte uns nicht gleich am ersten Tag überfordern. Mit Aperitivo, Pasta und Pizza unter freiem Himmel, bei noch angenehmen Temperaturen, haben wir den Abend dann ausklingen lassen.

Tag 2 in Rom – Centro Storico I und II und Essen, Essen, Essen

Nein, immer noch nicht die Peterskirche, die kein Dom ist und fälschlicherweise als „Petersdom“ bezeichnet wird. Aber die Piazza Navona, das Kunstmuseum Chiostro del Bramante, die Chiesa St. Luigi del Francesi (die französische Kirche), in der drei tolle Caravaggo-Gemälde hängen, das Pantheon (immer wieder mehr als beeindruckend). Zwischendurch den besten Kaffee der Welt – naja, für mich – im Tazza D’Oro und das vielleicht beste Eis, das wir je gegessen haben, bei Giolitti.

Weiter gings über die Fontana di Trevi (nahezu ohne Touristen!!) und die spanische Treppe, die eigentlich auch nicht so heißt und nur nach dem Platz – der Piazza Spagna – benannt wird. Eigentlich heißt sie Scalinata della Trinità dei Monti. Wer hätte das gedacht

Und wieder Cafè… Der ist zwischendurch auch unbedingt notwendig! Der Kopf bekommt schon nur noch die Hälfte mit.

Weiter führte uns der Weg ins Museo Canova Tadolini, ein zum Cafe umgestaltetes Atelier des Bildhauers Canova und seinem Lieblingsschüler Tadolini. Robert erzählt so spannend und eindrucksvoll, mit Anekdoten aus der damaligen Zeit, als sei er dabei gewesen. Nein, so alt ist er nicht, aber sehr gut vorbereitet. Seit 40 Jahren fährt er nun schon nach Rom und ist dort offizieller Rom-Guide.

Und dann doch schon ein erster, kurzer Blick auf den Petersplatz, die Kolonnaden und die Basilika. Aber nur kurz – denn das haben wir uns für morgen vorgenommen.

Nach einem Streifzug durch das jüdische Viertel Roms, das „Ghetto“, führte uns der Weg zum Tagesabschluss in das Restaurant Quattro Mori – in dem auch angehende (und fertige) Priester, Bischöfe, Kardinäle speisen. Ja, speisen und trinken. Ein Mehr-Gänge-Menü, das sich sehen und schmecken lassen kann. Wahlweise als Fisch- oder Fleischmenü. Dazu gibt’s den Hauswein. Soviel man eben trinken möchte, denn es wird immer wieder die leere Flasche ausgetauscht, bis man „Stopp“ sagt. 5 Gänge, dann noch Schnaps – wer möchte – und Kaffee – wer möchte. Jaaaa, ein gelungener Abschluss eines anstrengenden und unglaublich tollen Tages. Halt, noch nicht ganz Abschluss, denn ein paar Schritte durchs nächtliche Rom „mussten“ wir ja noch zurücklaufen. Rom bei Nacht – wow….!!!

Falls Du Dich fragst, wo der Teil mit der Deutschen Botschaft und den VBs des BKA bleibt, nun, der Teil fiel aus. Auch die VBs sind nämlich gehalten, nicht notwendige Besprechungen abzusagen bzw. zu verschieben. Diesmal gab es also keinen offiziellen Polizei-Part. Schade – aber das bedeutete auch mehr Kulturzeit für uns.

Tag 3 in Rom – endlich, Vatikan und ein kleiner Ausflug

Und dann stehen wir in der Peterskirche. Ich weiß nicht, wie es den anderen beiden ging, aber ich fühle mich in dieser riesigen Kirche immer winzig klein. Und wieder mal beeindruckt. Wie konnte man zur damaligen Zeit ein solches Bauwerk schaffen??? Und so schön noch dazu.

Auch hier hatte Robert viel zu erzählen – konspirativ. Konspirativ, weil er eben dort eigentlich nicht „führen“ darf. Aber wir waren ja nur zu dritt und gingen quasi als Familie durch. Und so kamen wir auch hier in den Genuss vieler spannender Geschichten. Z.B., dass auf dem Weg zur Sakristei eine Tafel hängt, auf der alle Päpste verzeichnet sind, die im bzw. unter der Peterskirche begraben liegen. Einen Blick auf das Grab des Apostels Paulus konnten wir leider nur von oben „erhaschen“.

Als kleines Schmankerl besuchten wir dann noch Schwester Jessica in der nahegelegenen Villa Mater Dei, dem Haus der deutschen Bischofskonferenz. Jessica war erst am Morgen von einer Fortbildung für angehende Führungskräfte aus Hessen zurückgekehrt und hattes einiges zu erzählen. Der Besuch war ein weiteres Highlight, das wir ohne Robert nicht erlebt hätten. Und dieser Ausblick dort auf die Peterskirche… Seufz….

Weiter gings im Takt – ein kurzer Eindruck des Viertels Trastevere, das definitiv mehr als einen kurzen Eindruck verdient hätte. Soooo schöööön!

Wieder ehrfürchtiges Staunen. Ameisenklein fühlt man sich am Colosseum. Reingegangen sind wir nicht aber auch von außen war es toll.

Was macht man mit dem angebrochenen Tag, wenn man zwar möglichst viel von Rom aber auch der Umgebung sehen möchte? Man fährt mit dem Zug, und zwar nach Frascati.
Das hat gut gepasst, denn in Rom wurde es gerade ungemütlich mit Starkregen und kurzen Gewittern. In Frascati angekommen (2,10 € für ca. 25 min Fahrt) war es zwar recht kühl aber trocken. Und dadurch war die Sicht einmalig. Frascati liegt etwas höher in den Bergen und diente bereits den alten Römern als Erholungsgebiet mit frischer Luft, die sie im eng bebauten Rom nicht hatten, schon gar nicht in den heißen Sommermonaten.
Frascati hat schöne kleine Gässchen zu bieten und natürlich Weinberge und viele Winzer. Wir begnügten uns mit einem Weißwein zu einigen Kleinigkeiten aus der Region. Z.B. Porchetta – sozusagen Spanferkel. Eine Spezialität dort und wirklich zu empfehlen. Selten so gutes Schweinefleisch gegessen! Und zum Abschluss – wie kann es anders sein – Cafè und dolce.

Tag 4 – eigentlich ungeplant

Leider mussten wir nun Robert verabschieden und waren ab sofort auf uns allein gestellt. Das haben wir aber gut hinbekommen! Da unser Flug eigentlich Sonntag um 08:40 Uhr gehen sollte, wir dadurch aber den kompletten Sonntag verloren hätten, hatten wir uns entschieden, unseren Flug auf Montag zu verlegen und so einen ganzen Tag in Rom zu gewinnen.
Leider war das Wetter… Naja, sagen wir mal ungemütlich. Starkregen wechselte sich mit normalem Regen ab und es war richtiggehend kühl. Davon ließen wir uns aber nicht abhalten. Zumindest vormittags bis zum frühen Nachmittag nicht.
U.a. stand das Forum Romanum noch zur Besichtigung an. Das Monumento Vittorio Emanuele, das von den Römern scherzhaft „Schreibmaschine“ genannt wird und zu den Staatssymbolen der italienischen Republik gehört, hatte seine Pforten leider geschlossen.

Weiter gings mit dem Bus auf den Belvedere de Gianicolo zum Denkmal der heldenhaften Anita Garibaldi, der Frau des italienischen Freiheitskämpfers Giuseppe Garibaldi. Das Denkmal zeigt Anita auf einem aufbäumenden Pferd sitzend, in der rechten Hand eine in den Himmel gerichtete Pistole, im linken Arm ein Kind haltend – ein Symbol dafür, dass sie ihrem Mann nicht nur mehrere Kinder geboren hatte, sondern Seite an Seite mit ihm an Freiheitskämpfen in Südamerika und Italien teilgenommen hat. Sozusagen eine Vorreiterin in Sachen Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Danach gaben wir dann aber auf – vorerst. Völlig durchnässt, nach einem leckeren Essen und etwas Rotwein, um die Stimmung zu heben, kehrten wir zu unseren Pensionen zurück. Heiß duschen, um wieder warm zu werden, trockene Klamotten und ein kurzes Nickerchen, während es weiter regnete und sogar ein wenig donnerte.

Aber Rom im Hotelzimmer? Geht gar nicht! Gegen halb 6 machten wir uns auf den Weg, um noch ein paar Eindrücke zu sammeln. Und das gelang sogar trockenen Fußes! Rom hatte ein Einsehen und wir zwar Schirme dabei, mussten diese aber nicht benutzen.

Der Parlamentssitz – der „Chef“ war zu Hause, wie man an den gehissten Flaggen sehen konnte – war herrlich beleuchtet, in den Farben Italiens, grün/weiß/rot. So wie ganz Rom eigentlich. Alle Sehenswürdigkeiten sind abends schön beleuchtet und damit herrliche Fotomotive.

Und weil wir vom Essen eigentlich genug hatten aber vom Wein noch lange nicht, nahmen wir uns noch mal Trastevere vor. Denn in Italien ist es eigentlich nicht üblich, nur etwas trinken zu gehen. Klassische Kneipen, wie bei uns, findet man nicht so oft. Im quirligen Trastevere aber schon. Also los. Auf dem Weg fanden wir dann ein schönes Lokal und dort auch einen guten Wein. Okay, zugegeben, und doch noch eine Kleinigkeit zu Essen.

Arrivederci Roma

Dann war es doch vorbei, auch wenn wir noch einen Tag verlängert hatten. Wir mussten uns von Rom verabschieden – nicht ohne den Gedanken, wiederzukommen, denn wir hatten vorgesorgt und eine Münze in den Trevi-Brunnen geworfen.
Man sagt, wer eine Münze hineinwirft, kehrt nach Rom zurück. Bei mir hatte das schon einmal geklappt. Und da ich auf Nummer sicher gehen wollte, habe ich wieder eine Münze geworfen.
Eine waghalsige Taxi-Fahrt um 6 Uhr morgens zum Flughafen Fiumicino (in ca. 30 min….) und schon ging es zurück nach Frankfurt.

Mal kurz überlegen

Wir hatten lange überlegt, ob wir in „Coronazeiten“ die Studienfahrt durchführen sollten. Hat es Spaß gemacht und hat es sich gelohnt? Definitiv ja! Es waren wenige Touristen da, die Plätze und Lokale waren nahezu leer und damit die Ansteckungsgefahr zwar vorhanden aber mit der nötigen Vorsicht handhabbar. Das ist zumindest meine Meinung.

Ich kann jedoch gut verstehen und durchaus nachvollziehen, dass der überwiegende Teil der angemeldeten Teilnehmerinnen auf die Reise lieber verzichten wollte. Letztendlich musste das jede für sich (und ihre Lieben zu Hause) entscheiden.

Schade war, dass von der Rom-Führung durch unser Fördermitglied Robert Schmitt letztendlich nur drei Mitgliedsfrauen profitieren konnten. Aber ich bin mir sicher, sobald wir alle gelernt haben, mit Corona umzugehen – ob mit Impfung oder durch andere Vorkehrungen – können wir nach Rom zurückkehren. Mit mehr Teilnehmerinnen und weniger Bedenken. Darauf freue ich mich schon jetzt!

Vielen lieben Dank noch mal an dieser Stelle an Robert. Das war ein einzigartiges Erlebnis für uns! Auf jeden Fall werde ich nicht vergessen, wo Julius Cäsar ermordet wurde und dass Kaiser Nero Rom gar nicht abgefackelt und darüber gesungen hat

 

Text:     Jacqueline Baab
Fotos:   Jacqueline Baab