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Historisches
Von der ersten Polizeiassistentin in Deutschland bis zum Europäischen Netzwerk von Polizeibeamtinnen (ENP)

Die Geschichte der Frauen in der deutschen Polizei wurde 1999 auf insgesamt 8 Plakaten mit historischen Bildern und Textbeiträgen von uns fertiggestellt. Es wird der Beginn der Frauenarbeit bei der Polizei im Jahre 1903, die weitere Entwicklung bis nach dem 1.Weltkrieg und die Folgen für das besetzte Rheinland, die Ära der Weimarer Republik, die Zeit des Nationalsozialismus, die Nachkriegszeit unter den Besatzungsmächten und der Wiederaufbau bis zur gegenwärtigen Situation dargestellt.

Henriette Arendt wurde 1903 in Stuttgart als erste Polizeiassistentin in Deutschland eingestellt. Es war zu dieser Zeit absolut ungewöhnlich, dass eine Frau die Berufstätigkeit wählte; Ehe und Kindererziehung waren Bestimmung jeder Frau. Frauen aus dem wohlhabenden Bürgertum waren allenfalls in der Wohlfahrtspflege tätig.
Das Bild zeigt solche Frauen.

„Schwester Henriette Arendt“ wurde aus einem einzigen Grund in die „Männerdomäne Polizei“ aufgenommen: Durch die Präsenz einer Frau sollten Polizisten beim dienstlichen Umgang mit Prostituierten „geschützt“ werden. Beschwerden, „Ärger“ und „eine böse Presse“ erzeugten öffentlichen Druck auf die Dienstvorgesetzten. Die Einstellung einer Frau in die Polizei wurde als Lösung für dieses Problem angesehen.
Als diese Frau dann aber eigenständige Gedanken und Verbesserungsvorschläge entwickelte, Vorträge hielt und Bücher und Aufsätze über die Situation der gefährdeten Kinder und Jugendlichen und der sich prostituierenden Frauen schrieb, stieß sie bei den Vorgesetzten auf massiven Widerstand.

Henriette Arendt kündigte schließlich, weil sie dem ständigen „Mobbing“ nicht mehr gewachsen war.



In diesen und darauffolgenden Jahren wurden mehr und mehr Frauen in Deutschland mit sehr unterschiedlichen Regelungen in die verschiedenen Polizeiorganisationen aufgenommen. Während der Besetzung des Rheinlandes durch die Engländer war es der Schutz der Besatzungstruppen vor Geschlechtskrankheiten, der 1923 durch die Bildung einer uniformierten „Frauenwohlfahrtspolizei in Köln“ gewährleistet werden sollte.
Mit der Gründung war Josefine Erkens beauftragt. (Bild links )

Ihre Hauptaufgabe bestand wieder darin, das Problem der ansteigenden heimlichen Prostitution in den Griff zu bekommen und somit den gesundheitlichen Schutz der Soldaten zu gewährleisten. Nach Abzug der Engländer 1925 wurde die „Frauenwohlfahrtspolizei in Köln“ wieder aufgelöst.



Frauenarbeit in der Polizei war kein Selbstverständnis und/oder Ergebnis des beginnenden Strebens nach Gleichberechtigung und Chancengleichheit. Es scheint vielmehr so, dass Frauen nur dann in der „Männerdomäne“ willkommen waren, wenn bestimmte Umstände dies zum Wohle dieser „Männerorganisation“ erforderlich machten.
Ihre Arbeit war „der Wesensart der Frau“ angemessen und bestand aus Wohlfahrtspflege und Fürsorge gegenüber gefährdeten Kindern und Jugendlichen.


Weibliche Polizei in Dresden         Weibliche Polizei in Karlsruhe

Die Ausbildung der ersten weiblichen Kriminalbeamtinnen nach dem Krieg im Rheinland:


Bis in die 70iger Jahre konnten Frauen in NRW nur im Kommissariat WKP (Weibliche Kriminalpolizei) arbeiten; die „männlichen“ Kommissariate blieben ihnen verschlossen. Aufstiegsmöglichkeiten in der WKP waren kaum vorhanden. Schließlich folgte Mitte bis Ende der 70iger Jahre die Auflösung der WKP in den meisten Bundesländern ( 1978 in NRW ) und erstmalig hatten die Frauen die Möglichkeit, in den anderen Kommissariaten der Kriminalpolizei zu arbeiten.

  

Viele der „älteren“ WKP-Frauen blieben in den neu eingerichteten Grosskommissariaten Sitte/Jugendschutz/ Rauschgift und machten ihre gewohnte Arbeit. Die meisten weigerten sich, eine Waffe zu nehmen. Die jüngeren Beamtinnen gingen in die Kommissariate, wo sie erst einmal „Exoten“ waren und erneut um Akzeptanz kämpfen mußten. Auch für die Männer begann eine neue Ära, denn erstmals arbeiteten Frauen neben ihnen und auf einmal waren diese Frauen eine „echte“ Konkurrenz auf der Leiter nach oben.
Dennoch sollte der Frauenanteil in Führungspositionen lange Zeit verschwindend klein bleiben. Den weiblichen Führungskräften blieb das Großkommissariat Sitte/ Jugendschutz/ Rauschgift vorbehalten und davon gab es in jeder größeren Behörde nur eines. Auch als man bundesweit in den 80iger Jahren begann, die Schutzpolizei und den BGS für die Frauen zu öffnen, war dies kein Akt der Emanzipation in der Polizei: Demoskopische Untersuchungen Ende der 70iger Jahre prognostizierten in den kommenden Jahren bundesweit einen besorgniserregenden Rückgang der männlichen Bewerber für die Schutzpolizei und den BGS. Die einzelnen Bundesländer entschieden daher ( Bayern erst 1990 als letztes Bundesland), Frauen einzustellen, um diese Lücke zu füllen.

In der deutschen Polizei sowie auch in anderen europäischen Polizeiorganisationen sind Frauen unterrepräsentiert und es zeigen sich die gleichen Probleme. 1989 wurde das European Network of Policewomen in den Niederlanden gegründet. Durch Kontakte zu Frauen in deutschen Polizeiorganisationen entwickelte sich der Netzwerkgedanke auch hier in Deutschland. Zur Gründung von ENP-Deutschland e.V. kam es dann 1993.

Das Ziel des ENP-Deutschland e.V. ist es, die Situation von Frauen in den deutschen Polizeiorganisationen zu verbessern. Die Vernetzung soll der gegenseitigen Unterstützung sowie dem Austausch von Kenntnissen und Erfahrungen dienen. Das ENP-Deutschland sieht sich als wachsende Organisation im Sinne einer eigenverantwortlich gestalteten Selbsthilfe. Bei einem Gespräch am 17.November 2000 mit dem Vorstand des ENP-Deutschland e.V. informierte sich Nordrhein-Westfalens Innenminister Dr. Fritz Behrens noch einmal über die aktuelle Netzwerkarbeit des ENP und erneuerte seine Zusage, das Netzwerk zu unterstützen.

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